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15. November 2008 – 28. Februar 2009
Fabrik Raum 5, Lantal Textiles, Langenthal
Ich fuhr mit dem Auto auf einer betonierten Strasse, die sich durch grüne saftige Wiesen schlängelte. In der Ferne sah ich hohe graue Betongebäude, eine menschliche Festung, die inmitten einer natürlichen Landschaft emporragte. Die Natur wird sich ihr Territorium eines Tages wieder zurückerobern. Ich fuhr direkt darauf zu, stieg aus, ging die Stufen eines kahlen Treppenhauses hoch und trat ein, nicht in einen Maschinenraum, sondern in einen steril weissen, grosszügigen Kunstraum. An den Wänden hingen kleine Farbfotografien, die Details von Textilmaschinen und ihrer Umgebung, dem Websaal, in der Vergrösserung zeigten.
Die Schweizer Textilindustrie, die früher die bedeutendste war, verlor in den letzten Jahren stark an Einfluss. Die Fabriken wanderten immer mehr Richtung Osten ab; die Fabrikhallen standen leer und wurden entweder abgerissen oder umgenutzt. Dies geschah auch mit dem Fabrik Raum 5 in Langenthal: Wo früher Webmaschinen einen Ohren betäubenden rhythmischen Lärm verursacht haben, werden heute Fotografien der früheren Produktion in einem White Cube präsentiert. Wie Mahnmale erinnern die Portraits der Textilindustrie wehmütig an eine längst vergangene Zeit.
Die Aufnahmen der Grossbildkamera wurden nach dem Image Transfer Verfahren entwickelt. Dabei unterbricht der Fotograf den Entwicklungsvorgang nach wenigen Sekunden und überträgt den Film auf das Fotopapier. Das Endprodukt ist eine Fotografie, die in ihrem Entwicklungsprozess gestört wurde. Dies manifestiert sich in natürlichen Farben, deren Nuancen nicht beeinflusst werden können. Die Farbe läuft an den Rändern der Fotografie aus. Dieses Entwicklungsverfahren wird in Zukunft nicht mehr angewendet werden können, da die Produktion des Farbfilms Polaroid 809 im September 2008 eingestellt wurde. Die Fotografien d’Annas beerdigen das Zeitalter der Industrie gleich doppelt, indem sie als Grabstein den Untergang der Schweizer Textilindustrie einerseits und den Konkurs der Firma Polaroid andererseits markieren.
D’Anna thematisiert die Relation von Natur und Maschine, die seit den Anfängen der Industrialisierung zu einem beliebten Topos der Fotografie wurde. Im Gegensatz zu Alfred Stieglitz, der Natur und Maschine als gegeneinander konkurrierende Gegensätze verstand, präsentiert d’Anna menschliche Maschinen. Die Naturfarben und die samtige Oberfläche des grobkörnigen Aquarellpapiers bewirken eine naturalisierte Wahrnehmung der Textilmaschinen. Sie wirken nicht mehr wie der lebenden Natur entgegengesetzte bedrohliche Ungetüme, sondern wie vom Menschen erschaffene ihm dienende Werkzeuge. Die Maschinen werden sogar so programmiert, dass sie die Fähigkeiten ihres Schöpfers übertreffen. Die Kurzzeitbelichtung der Kamera enthüllt für das Auge unsichtbare Vorgänge.
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Die Galerie Claudia Groeflin stellt bis zum 23. Dezember Collagen, ein Video und eine Fussbodenarbeit des Basler Künstlers Fabian Chiquet aus, der sich in seinen Werken mit der Authentizität der Popindustrie auseinandersetzt.
Der Standort der Galerie im Zürcher Kreis 5 scheint gerade dazu prädestiniert, Kunstwerke der Popkultur, der Massenkulturbewegung schlechthin, auszustellen. Schliesslich wurde der Ort vor nicht allzu langer Zeit von den Trendsettern zum Mainstream herabgestuft, nachdem das Szene-Viertel in jedem gewöhnlichen Reiseführer als sehenswert beschrieben wurde.
Chiquet, selber kaum dem Teenager-Alter entwachsen, thematisiert aktuelle, polarisierende Medienphänomene wie den Aufstieg von Chris Crocker zum „Internet celebrity“. Der Jugendliche Chris Crocker hatte in einem Video auf youtube die Paparazzi geradezu hysterisch dazu aufgefordert, Britney Spears nicht weiter zu verfolgen. Die Worte „Leave Britney alone“ sind seitdem ein fester Bestandteil im Wortschatz jedes globalisierten Teenagers. Mhmm, Rodin-Denker-Pose, vielleicht wäre mein Blog ja auch etwas erfolgreicher, wenn ich etwas hysterischer wäre. Die Formel würde lauten: Weniger intellektuelles Brillenschlange-Gequatsche, mehr hysterisches Gekreische!!!!!!!!
Nach einem Abstieg in das Basement der Galerie stehe ich direkt vor einem Flatscreen, auf dem ein Video über die Mattscheibe flimmert. An den Wänden hängen Collagen in schrillen Pop Art Farbvariationen von pink über neon-gelb bis hin zu violett. Flimmernde Lichter einer Discokugel vernebeln meine Gedanken. Auf dem Fussboden wurden gelbe Klebestreifen so aufgeklebt, dass die Aussparungen den Schriftzug „We know what people want from us“ ergeben. Was das wohl sein mag, denke ich, und entdecke die Antwort etwas später in der Pressemitteilung. „Die Menschen wollen nicht die Wahrheit, sie wollen Geschichten. Wir Musiker, Schauspieler und Künstler geben sie ihnen“, schreibt Chiquet. Werden uns Betrachtenden in der Ausstellung also Geschichten präsentiert, die die Wahrheit verschleiern?
Das Video zeigt Szenen eines Musicals von „The bianca Story“, eine Schweizer Nachwuchsband, in der auch Chiquet vertreten ist. Zwischen den vermeintlichen Konzertausschnitten werden immer wieder Zitate eingeblendet. Tara Hill, Journalistin, meint: „They want too much. No they want everything. Andy Warhol would have liked it.“ Chiquet thematisiert im Video also die Erwartungshaltung der Kulturkonsumenten gegenüber Künstlern oder Musikern. Der Betrachter eines Popkonzerts oder einer Ausstellung will alles vom Künstler: Er fungiert als parasitischer Blutegel, der den Künstlern sämtlichen Lebenssaft aussaugt. Übrigens genauso wie die Medien, die sich wie ein Rudel hungriger Wölfe auf Britney Spears stürzen, und diese damit in einen Nervenzusammenbruch treiben.
Der Titel der Ausstellung konstatiert, dass Pop keine Geschichten transportiert, sondern die Wahrheit. Dies würde dann bedeuten, dass die Künstler Geschichten produzieren, die von den Medien in die Welt hinausgetragen werden, während ihre Kunstwerke im Gegensatz dazu in der Lage sind, die Wahrheit zu repräsentieren. Der zweite Teil des Ausstellungstitels „and so am I“ widerspricht jedoch dieser Interpretation. Einerseits proklamiert Chiquet in der Pressemittlung, dass Künstler nicht die Wahrheit sondern Geschichten transportieren, andererseits verkündet er im Titel, dass er selber die Wahrheit spreche. Folglich sind die Geschichten, die von Künstlern und ihren Werken transportiert werden, die Wahrheit.
Übrigens habe ich auf dem Weg zur Ausstellung eine surreal anmutende Alltagsskulptur gesichtet:
Andy Warhol would have liked it….
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Zur Abwechslung berichte ich diese Woche nicht über eine Ausstellung, sondern über eine Atelierbesichtigung. Ein Student der Zürcher Hochschule der Künste (zHdK) hat uns durch die Ateliers des Masterstudiengangs Fine Arts geführt. Bevor ich diese Besichtigung jetzt genauer ausführe, muss ich unbedingt darauf hinweisen, dass die Ateliers nur ein Provisorium darstellen. Die eigentlichen Räumlichkeiten entstehen gerade auf dem Areal der Toni Molkerei.
Nun zur Besichtigung:
Allen Studenten steht ein eigenes Atelier zu, wobei die Platzverteilung, wie der Student mit einem schelmischen Lachen ausführt, nach dem Prinzip des Stärkeren organisiert wird. Ein Prinzip, das sich übrigens schon seit Jahrhunderten bewährt, wie Darwin überzeugend ausgeführt hat. Jedem Studenten stehen circa ein 4×4 Meter grosses Stück Atelier zur Verfügung. Genug Platz also für kreative Denkprozesse, schliesslich braucht man dafür nicht mehr als einen Stuhl! Die kahle Büroatmosphäre scheint hingegen die grauen Zellen nicht besonders anzuregen, denn in dem sogenannten „kreativen Chaos“ sind denn auch kaum fertige Werke zu erkennen. Das Atelier ist demnach weder Denkfabrik noch ein Ort des handwerklichen Ausführens, was dann auch die Abwesenheit der Studierenden erklärt. Etwas schockiert hat mich die Tatsache, dass die Studenten ihr Arbeitsmaterial selber finanzieren müssen. Die Werke, die während des Studiums an der zHdK entstehen, müssen also so konzipiert werden, dass sie erstens nichts kosten und zweitens keinen Platz benötigen. Na dann, frohes Schaffen!!!!
Die einzelnen Büros sind noch nicht einmal nach den Kunstgattungen eingeteilt: d.h. Fotografen arbeiten neben bildenden Künstlern und die wiederum neben Performancekünstlern. Ich kriege deshalb auch die Assoziation mit einem Schweinestall, indem alle Tiere auf engstem Raum hineingepfercht werden, nicht mehr aus dem Kopf.
Die Arbeitsprozesse der Studierenden werden in regelmässig stattfindenden Werkbesprechungen mit den Dozierenden und interessierten Studierenden diskutiert. Der Studiengang wird nach 2, spätestens aber nach 3 Jahren, abgeschlossen, wonach das Atelier geleert werden muss und der Kampf um den besten Platz von vorne losgeht.
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Diese Woche beschreibe ich eine Ausstellung der Stiftung BINZ39. Da ich bisher vor allem schriftlich portraitiert habe, möchte ich diese Woche ins andere Extrem überwechseln und anstelle eines Berichtes nur Fotos veröffentlichen.
Viel Spass beim Puzzeln!!
- Sooo, dann gehn wir mal rein
- Ring-a-ling
- Bermuda-Dreieck-Jugendzimmer: Sämtliche Materie wird angesaugt und festgehalten
- Eben: Bermuda <
- Ohhh, ein süsser kleiner Wauwau
- Immer schön bücken
- Pimp my body, Sabber-sabber!!
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Die Performance in der Eingangshalle beginnt ohne dass die Anwesenden das bemerken. Neben dem Tisch, auf dem die Kasse der Kunsthalle platziert ist, steht ein zweiter, auf dem Coates eine Frage auf ein Papier schreibt und danach die Musikanlage einstellt. Daneben stehen ein Fernseher und ein Mikrophonständer. Mit dem Einsetzen der Geräusche verstummen die Gespräche der Anwesenden, alle Augen sind nun auf Coates gerichtet. Natürlich garantiert die physische Präsenz noch lange keine Aufmerksamkeit, die sich dann partout bei mir auch nicht einstellen will. Während eine Überlagerung von klassischer Musik und Fernseh- oder Radio-Kommentaren die Geräuschkulisse schafft, schreibt Coates auf ein Papier: „Does Travelling bring you real freedom?“. Er platziert das Blatt auf dem Boden vor dem Publikum und wendet sich dem Fernseher zu. Er streift Kopfhörer und eine Augenbinde über und drückt auf die Play-Taste beim Videorecorder. Die Freizeitabenteuer eines Lausbuben in einer englischen Kleinstadt flimmern über den Bildschirm. Coates kann den Film nur hören, er sieht nichts. Anfangs wippt er im Takt der klassischen Musik, die die Galerieräume immer noch erfüllt, danach verändern sich seine Bewegungen hin zu Beckenboden-Turnübungen. Als er beginnt mit den angewinkelten Armen zu flattern und quietschende Schreie auszustossen, ahne ich, dass er ein Huhn darstellt. Er führt sodann eine Maultrommel an seine Lippen und fängt an zu spielen, wobei das Trommeln immer lauter und schneller wird. Schliesslich nimmt er die Augenbinde ab, stellt den Fernseher aus und konfrontiert das Publikum.
Er geht auf die anfangs gestellte Frage ein und beantwortet sie, was mich keineswegs überrascht, mit Nein. Er sagt, dass der erste Eindruck, dass Reisen ein Akt der Freiheit darstelle, sich bei genauerer Betrachtung als trügerisch entlarve. Das Publikum stellt nun verschiedene Fragen, die Coates sehr bedacht und ausführlich, wenn auch leicht kryptisch, beantwortet. Schliesslich fordert er jemanden aus dem Publikum dazu auf, eine neue Frage zu stellen, die dann in der nächsten Performance von ihm und dem Publikum beantwortet würde. Unser Kursleiter Marcel Bleuler stellt die Frage, ob ein langes Leben glücklicher sei als ein kurzes. Ein kurzen Moment lang überlege ich, ob ich für die zweite Performance bleiben soll, entscheide mich jedoch dagegen. Die Frage erscheint mir sehr interessant, aber da eine richtige Diskussion leider auch bei der Travelling-Frage nicht zustande kam, wird das sicher dieses Mal auch nicht der Fall sein.
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14. Oktober 2007 – 11. Januar 2008, Tate Modern, London
In der ersten Ausstellung des Künstlers in Grossbritannien werden sowohl Installationen als auch Zeichnungen und Objekte der Jahre 1967 – 2008 gezeigt. Von Meireles grossflächigen und teilweise sogar begehbaren Installationen gilt es gleich acht verschiedene zu entdecken.
Room 1: Space and Scale, Circulation and Distribution, Value, Time and Infinity
Der erste Raum ist hauptsächlich dem Thema der perspektivischen Raumbetrachtung gewidmet. An der linken Wand hängen Bleistiftzeichnungen auf Millimeterpapier, auf denen Ecken eines Raumes oder geometrische Körper zu sehen sind.
In der Mitte des Ausstellungsraumes befinden sich vier deckenhohe Modelle solcher Ecken, wobei die Modelle jeweils mit dem Rücken aneinander stehen. Ein ca. ein Quadratmeter grosses Stück glänzend poliertes Parkett grenzt jeweils an zwei beigefarbene Wände, so dass eine Ecke entsteht. Der Übergang vom Parkett zur Wand besteht aus Leisten, die sich in ihrer Dicke, der Farbe und dem Material unterschieden.
An der rechten Wand sind Banknoten ausgestellt, die Meireles mit politischen Botschaften versehen hat und sie danach wieder in den Geldkreislauf zurückgeführt hat.
Room 2: Eureka / Blindhotland 1970 – 1975, Through 1983 – 1989, Mission / Missions 1987, Glovetrotter 1991
Im Hauptraum der Ausstellung werden vier begehbare Installationen gezeigt. Die Installationen sind sowohl thematisch als auch räumlich voneinander abgetrennt. Sie warten auf einen Besucher, der sie entdeckt und erkundet. Der Besucher wird dadurch zum Entdecker. Ich verwende deshalb für Meireles Installationen den Begriff Erlebniswelten.
Bei der Installation Eureka / Blindhotland handelt es sich um ein schwarzes Netz, das in Form eines Quadrates von der Decke hängt und dadurch einen eigenen Raum schafft. Am Boden verteilt liegen 201 Gummibälle, die zwischen 500 und 1’500 Gramm wiegen. Auf einer grossen Waage halten sich ein Holzkreuz auf der einen Waagschale und zwei Holzbalken auf der anderen die Balance. Der Raum ist von einem merkwürdigen dumpfen Donnern erfüllt. Im Ausstellungskatalog beschreibt Meireles, dass dieser Klang dadurch entstanden ist, dass unterschiedliche Gewichte aus unterschiedlicher Höhe fallen gelassen wurden. Die Distanz vom Mikrophon zu den Gewichten war dabei unterschiedlich gross.
Ich wandelte durch die surreal anmutende Installation und fühlte mich dabei fast wie ein Blinder. Der Raum war zwar optisch beinahe leer, jedoch füllten die Donnerklänge den Innenraum vollständig aus.
Through, entstanden zwischen 1983 und 1989, ist ein Labyrinth aus verschiedenen durchsichtigen Materialen wie Glas, Metallnetzen und dünnen weissen Vorhängen. Der Besucher bahnt sich seinen Weg auf einer sich in Scherben auflösenden Glasscheibe, wobei das Knirschen unter den Füssen einen dazu verleitet, bedacht ganz langsam einen Fuss vor den anderen zu stellen, um der Installationen keinen allzu grossen Schaden zuzufügen. Vielleicht möchte man aber auch nicht entdeckt werden, denn die Schatten der anderen Besucher sind allgegenwärtig. Überall ein Glitzern und Funkeln des Glases und der Spektralfarben, die sich in unzähligen Regenbogen an den Wänden des Labyrinths abzeichnen.
Ich fühlte mich in die Eiszeit zurückversetzt und begann urplötzlich zu frösteln. Ein helles Licht in der Mitte des Labyrinthes zog mich magisch an: ich bahnte mir meinen Weg durch die Eislandschaft und wurde immer schneller, denn ich musste wissen, was dieses Leuchten zu bedeuten hat. Der Anblick eines von einer Lampe beleuchteten Watteschneeballs irritierte mich schlussendlich, denn einen Schneeball in der Grösse eines Menschen hatte ich erstens noch nie gesehen und zweitens keinesfalls erwartet. Mir war zwar nicht ganz klar, was ich eigentlich erwartet hatte, aber einen überdimensionierten Wattebausch auf gar keinen Fall.
Ich löste mich schliesslich von der Eiszeit und trat ein in ein orientalisches Beduinenzelt aus 1001 Nacht. Die Installation mit dem Titel Mission / Missions entstand 1987 für eine Gruppenausstellung brasilianischer Künstler, die dazu eingeladen worden waren, die Bekehrung brasilianischer Urvölker zum christlichen Glauben durch die Jesuiten künstlerisch umzusetzen. Durch schwarze durchsichtige Vorhänge betrat ich die von aussen golden schimmernde Installation: In der Mitte des grauen Steinfussbodens befand sich eine Vertiefung, die mit 600’000 kleinen glitzernden Goldmünzen gefüllt war. Das Gegenstück bildeten 2’000 goldgelb leuchtende Oberschenkelknochen, die dicht an dicht von der Decke baumelten. Von innen gesehen war der Vorhang pechschwarz und absolut blickdicht, so dass ich das Gefühl hatte, im Zelt eingeschlossen zu sein, vollkommen allein mit meinen Gedanken.
Glovetrotter sieht auf den ersten Blick aus wie eine silbrig glitzernde Mondlandschaft „en miniature“. Auf den zweiten Blick erkennt unter einem Netz aus Stahl Bälle verschiedener Grössen und Materialien. Die Kraterlandschaft in der Dimension von 5.20 x 4.20 m besteht aus kugelförmigen Körpern aller Art wie z.B. Fussbällen, Basketballbällen, Eisenkugeln sowie Perlen.
Room 5: Fontes, 1992 / 2008
Schon von weitem hörte ich ein lautes nervöses Ticken: Tick, Tick, Tick. Je näher ich dem Raum kam, desto lauter und schneller wurde das Ticken, sodass ich innerlich sofort angespannt und nervös war, was ich mir äusserlich jedoch nicht anmerken liess. Ich trat ein in ein Labyrinth aus tausenden von weissen meterlangen Massstäben mit schwarzen Ziffern, die von der Decke hingen. Die vier Aussenwände der Installation waren ausgekleidet mit handelsüblichen weissen Küchen-Wanduhren, die dicht an dicht hingen, sodass die weisse Wand dahinter nur an einigen wenigen Stellen hervorblitzte. Ich war gefangen in einem blütenweissen Raum-Zeit-Kontinuum wie Alice im Wunderland.
Room 6: Babel, 2001
Schon von weitem dringen aus dem Raum Nr. 6 merkwürdige Geräusche in den Gehörgang. Es ist als ob in weiter Ferne, gerade noch hörbar ein Radio in einer fremden, nicht erkennbaren Sprache laufen würde. Ein Wirrwarr von fremden Stimmen und zwischendurch immer wieder dieses wunderbar vertraute Rauschen. Das Rauschen des Universums. Genauso dachte ich als Kind, muss sich das Weltall anhören. Was für eine Enttäuschung als mir gesagt wurde, dass Schallwellen das All gar nicht durchdringen können, da ein Übertragungsmedium fehlt.
Schon immer war ich fasziniert vom Phänomen Radio: Man dreht an einem kleinen Rad und plötzlich dringt eine fremde Stimme durch das ewige Rauschen. Zuerst ist sie leise und ganz weit weg, dann wird sie immer lauter und lauter, bis das Rauschen plötzlich verstummt und die Stimme in ihrer ganzen Klarheit ertönt. Dreht man weiter am Rad, sinkt man wieder ein in den Strudel des unendlichen Rauschens. Tausende von Menschen rund um den Globus verbreiten gerade in dieser Minute Botschaften in allen erdenklichen Sprachen und ich habe die Möglichkeit sie zu hören. Ich drehe weiter am Rad und die Ungewissheit darüber, welche Botschaft aus welchem Land mich als nächstes erreicht, erweckt in mir ein leidenschaftliches Feuer. Ich fühle mich wie ein Entdecker, ein Abenteurer im Dienste der Wissenschaft.
Im Ausstellungsraum angekommen stehe ich im Dunkeln vor einem raumhohen Turm aus hunderten von verschiedenen Radioapparaten. Aus jedem der in allen erdenklichen Farben blinkenden Kästen ertönt eine andere Stimme. Wahrhaftig der Turm von Babel.
Das interessanteste an dieser Ausstellung fand ich, dass Cildo Meireles mehrere in sich abgeschlossene Erlebniswelten kreiert hat. In jeder der grossflächigen Installationen prasselten ganz andere Eindrücke auf mich nieder. In nervöser freudiger Erregung fragte ich mich nach jeder Installation was mich wohl gleich als nächstes erwarten würde. Der Besuch der Ausstellung war wie ein Eintauchen in eine mir völlig fremde mich in ihren Bann ziehende Welt.
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Diesen Sonntag habe ich an einem geführten Spaziergang durch die wunderschöne Stadt Zürich teilgenommen, der von Vertretern der Zürcher Hochschule der Künste (zHdK) organisiert wird. In dem Projekt, das sich „Kunstpassanten“ nennt, treffen sich Interessierte einmal im Monat, um gemeinsam durch Zürich zu spazieren. Dabei soll spürbar werden, wie die Bewohner ihre Stadt und die öffentlichen Kunstwerke wahrnehmen. Der Spaziergang wird jeweils von einem Künstler oder Kunsttheoretiker geführt und gestaltet.
Der Spaziergang, der an diesem Sonntag (11. Oktober 2009) zum ersten Mal stattfand, wurde von San Keller geführt, der die Gruppe entscheiden liess, welche Route durch die Stadt abzulaufen sei und welche Werke dabei betrachtet werden sollen. Am Ende der Veranstaltung teilte er sein Honorar unter den Rednern auf. Ausgangspunkt des Spaziergangs war der „l’ange protecteur“ von Niki de Saint-Phalle am Hauptbahnhof. Danach ging die Gruppe weiter zur Pavillon-Skulptur von Max Bill an der Bahnhofstrasse. Nach einem Aufstieg zum Lindenhof wurden die Überreste der Pfalz besprochen, die jedoch für uns nicht sichtbar waren, da sie nur an einigen wenigen Daten im Jahr besichtigt werden können. Weiter ging es zum Limmatquai an den Ort neben dem Rathaus, an dem nächstes Jahr ein Schiffskran aufgebaut werden soll. Im Grossmünster wurden danach die erst vor zwei Wochen eingebauten Glasfenster von Sigmar Polke betrachtet. Anschliessend ging es über den Platzspitz weiter zum Klingenhof (Innenhof nahe der zHdK). Dort wurde eine Ruine eines Hauses in einen Kinderspielplatz verwandelt. Danach besichtigten wir den Kunsthof der zHdK, der sich momentan nur durch eine Lamettaskulptur von einem alltäglichen verstaubten Hinterhof unterscheidet.

Der Langstrasse entlang ging es weiter zum Helvetiaplatz, wo ich mich schliesslich verabschiedete.
Der Spaziergang präsentierte sich mir als Bühne für alle diejenigen Bürger der Stadt, die nur allzu gerne etwas zu sagen hätten, aber denen im Alltag wenig bis kein Gehör geschenkt wird. Die Erwartungshaltungen der Gruppenmitglieder waren so unterschiedlich, dass sie kaum miteinander vereinbar waren. Von politischen Diskussionen betreffend die Finanzierung von öffentlichen Kunstwerken bis hin zu Vorträgen über die Metamorphose der Bäume im Stadtraum war alles mit dabei. Die öffentlichen Kunstprojekte wurden kaum besprochen. Vielmehr entwickelte sich der Spaziergang zu einer Hinterhofbesichtigung. Der Spaziergang war für mich also nicht mehr und auch nicht weniger als ein netter Sonntagszeitvertreib. Merkwürdigerweise wurden die Kunstprojekte des Hauptbahnhofs Zürich nicht thematisiert, obwohl die Gruppe sich dort besammelt hatte und die Projekte äusserst interessant und vielseitig sind. Offenbar wollte sich kein Teilnehmer dazu äussern. Vielleicht haben die Bewohner der Stadt sie schon so oft gesehen, dass sie sie schon gar nicht mehr wahrnehmen.
Interessant an diesem Projekt erscheint mir vor allem die Eigendynamik der Gruppe, die dazu führt, dass jeder Spaziergang komplett anders verlaufen wird. Das Projekt birgt also meiner Meinung nach ein grossartiges Potenzial zur Kunstdiskussion und -dokumentation, das jedoch nicht immer voll ausgeschöpft werden wird. Die Diskussionen unter den Teilnehmern wären sicherlich interessanter, wenn sie in eine bestimmte Richtung gelenkt würden. Dies könnte dadurch erreicht werden, dass jeder Spaziergang einem bestimmten Thema gewidmet ist, wobei einer konkreten Fragestellung nachgegangen wird.
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Da ich letzte Woche über die Ausstellung „Inmitten des Prinzips“ von Eggerschlatter berichtet habe, untersuche ich nun die Dokumentation dieser Ausstellung im Internet.
1. Videodokumentation
Auf youtube.com habe ich ein Video über die Ausstellung gefunden. Das Video wurde wohl von einem Besucher aufgenommen, der im Ausstellungsraum auf der Bank gesessen hatte. Die Kameraperspektive erfasst jedoch nicht den ganzen Raum, sondern nur die Spiegelung des Künstlervideos in den Spiegelplatten auf dem Fussboden. Gezeigt wird in einem 27-Sekunden-Ausschnitt die Zündung des Feuerwerks.
Wenn man die Ausstellung nicht gesehen hat und keine Berichte darüber gelesen hat, ist es meiner Meinung nach unmöglich sich anhand des youtube-Videos eine Vorstellung davon machen zu können. Dies vor allem weil nur ein sehr kurzer Ausschnitt aus dem Künstlervideo gezeigt wird. Zudem wurde die Präsentation der Ausstellungsobjekte im Raum (Platzierung des Bildschirms, der Bank, des Gewächshauses, der Spiegelplatten und des Eulenständers) nicht filmisch dokumentiert. Die grösste Schwierigkeit für die Videodokumentation dürfte die Verdunkelung des Ausstellungsraumes gewesen sein. Das youtube-Video eignet sich also „nur“ als Ergänzung zu einem schriftlichen Bericht. Dieser Zusatz ist jedoch von grosser Bedeutung, da die Musik des Künstlervideos (Gesang und Akkordeon) durch Worte nicht nachvollziehbar wird. Erst durch das youtube-Video wird die Klangsphäre im Raum fühlbar.
2. Dokumentation anhand von Fotografien
Auf der Homepage von Eggerschlatter sind alle bisherigen Kunstprojekte (Installationen und Performances) des Künstlerduos dokumentiert. Zu jedem Projekt finden sich ein kurzer Begleittext, diverse Fotografien und die Angaben wann und wo das Projekt durchgeführt wurde. Die Präsentation der Installationen wird gut nachvollziehbar, indem sowohl Videostills, als auch Fotografien der Ausstellungsräume zu sehen sind. Unklar bleiben die Vertonung der Videos sowie die Stimmung im Ausstellungsraum.
3. Pressetext
Auf der Homepage des Ausstellungsortes (LOGE in Bern) findet sich ein Pressetext. Während darin die vermeintlichen Absichten des Künstlerduos und Hintergrundinformationen nicht zu kurz kommen, vermisse ich beschreibende Elemente der Ausstellung. In dem Text wird behauptet, dass ein Schleimpilz „weder Tier noch Pflanze“ sei, sondern eine „Mischform“. Es wird dabei nicht genauer erklärt was mit dieser sogenannten „Mischform“ gemeint ist. Meine Recherchen haben ergeben, dass es sich beim Schleimpilz (Myxobionta) um einen pilzähnlichen Protisten handelt, der dem Reich der Protozoa zugeteilt wird. Der Begriff Mischform ist deshalb meiner Meinung nach nicht korrekt.
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Ich betrat den Ausstellungsraum durch einen schwarzen samtenen Vorhang und mein erster Gedanke war: „Ist das dunkel hier“. In der Ferne konnte ich eine Bank erkennen, also bewegte ich mich vorsichtig aber bestimmt darauf zu und setzte mich. Der abgedunkelte Raum war ziemlich klein und mit Ausstellungsobjekten ausgefüllt, so dass ich nicht auf die Idee kam herumzuwandern. Vor mir auf dem Boden lagen Spiegel, die mit etwas Schleimigem bedeckt waren. Später las ich dann im Pressetext dass es sich dabei um Schleimpilze handelt, die mithilfe von Haferflocken und Wasserspritzern am Leben gehalten werden. Darüber hing ein grosser Flachbildschirm von der Decke, auf dem ein Video zu sehen war.

Die Handlung im Video ging von einem Sänger und einer Frau am Akkordeon aus, die auf einer Wiese platziert waren und deren Musik wie eine Mischung aus traditionellem Volksgesang und Katzenjammer klang. Diese rituell anmutenden Klänge waren das ganze Video über hörbar und verstummten erst zum Schluss. Nachdem sie eine Weile musiziert hatten, gesellten sich vier verkleidete Menschen dazu und umstellten die beiden Musiker. Sie trugen Tiermasken und Menschenbekleidung und stellten ein Affe mit Tiara, eine Plüschkuh, ein Teddybär und ein Kuschelhase dar. Mit von der Partie war auch eine weisse Schneeeule, die langsame abrupte Kopfbewegungen nach rechts und links vollzog, wie es für eine Eule typisch ist. Sie sass auf einem Holzständer, den ich sofort wiedererkannte, da dieser als Ausstellungsobjekt rechts neben der Bank präsentiert war. Ich begriff nun, dass die Objekte im Raum alle auch im Video verwendet wurden. Beim weiteren Betrachten des Videos begann ich nun vermehrt darauf zu achten, in welchem Kontext die im Ausstellungsraum präsentierten Objekte verwendet werden. Die vier Chimären (Mischwesen) wurden nun aktiv und stellten Pappaufsteller mit Wolfsmotiv auf. Als das ganze Rudel anwesend war, stieg die Tonlage des Sängers immer höher und höher an, fast so als ob Wölfe jaulen würden. Schliesslich wurde ein kleines Gewächshaus gezeigt, indem per Fernsteuerung ein Feuerwerk gezündet wurde. Auch dieses Requisit kam mir bekannt vor, denn das Gewächshaus stand links neben mir im Ausstellungsraum.
In diesem Video wurde eine Welt gezeigt, die mir äusserst fremd vorkam, da die Handlungen scheinbar keinen logischen Sinn ergaben. Die Stimmung im Video sowie im Ausstellungsraum empfand ich als mystisch und fabelhaft. Dies weil Chimären und Wölfe gezeigt wurden, beides Wesen, die ich mit Märchen oder eben Fabeln in Verbindung setze. Der Raum war warm, dunkel und feucht, die Luft etwas abgestanden, wodurch diese Märchenstimmung erst richtig zur Geltung kam. Die rituellen Klänge versetzten mich in einen fast meditativen Zustand.
Es wird im Video also eine Art Zauberwelt kreiert, die in den Ausstellungsraum überquellt und von ihm Besitz ergreift. Auf der Bank sitzend, fühle ich mich in diese Welt integriert. Ich fühle mich inmitten des Prinzips.
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Mein Name ist Franziska Schweizer und ich studiere Kunstgeschichte und Theorie und Geschichte der Fotografie im 5. Semester.
Das Ziel dieses Blogs ist es im Rahmen eines E-Learning Projektes der Universität Zürich, experimentell die Frage zu diskutieren, wie zeitgenössische Kunst-Projekte wie Performances, Videokunst und installative Arbeiten am besten zu dokumentieren seien.
Die herkömmliche Kunstdokumentation mittels fotografischen Einzelbildern und Texten eignet sich nicht oder nur beschränkt dafür, worin sich die meisten Kunsthistoriker einig sind. Der besondere Reiz dieser Kunst-Projekte liegt meiner Meinung nach auch an ihrer Flüchtigkeit, während das Ziel der traditionellen Dokumentation die Konservierung der Werke für eine lange Zeit ist. Durch diese Art und Weise wird aber ein Teil der Wirkung der Arbeiten zerstört. Ausserdem kann nicht nachvollzogen werden, wie das Kunstwerk von den Betrachtern erlebt wurde.




















