Einsortiert unter: Regelmässiger Ausstellungssblog | Tags: Atelier, Künstler, Kunst, Toni Molkerei, Zürcher Hochschule der Künste
Zur Abwechslung berichte ich diese Woche nicht über eine Ausstellung, sondern über eine Atelierbesichtigung. Ein Student der Zürcher Hochschule der Künste (zHdK) hat uns durch die Ateliers des Masterstudiengangs Fine Arts geführt. Bevor ich diese Besichtigung jetzt genauer ausführe, muss ich unbedingt darauf hinweisen, dass die Ateliers nur ein Provisorium darstellen. Die eigentlichen Räumlichkeiten entstehen gerade auf dem Areal der Toni Molkerei.
Nun zur Besichtigung:
Allen Studenten steht ein eigenes Atelier zu, wobei die Platzverteilung, wie der Student mit einem schelmischen Lachen ausführt, nach dem Prinzip des Stärkeren organisiert wird. Ein Prinzip, das sich übrigens schon seit Jahrhunderten bewährt, wie Darwin überzeugend ausgeführt hat. Jedem Studenten stehen circa ein 4×4 Meter grosses Stück Atelier zur Verfügung. Genug Platz also für kreative Denkprozesse, schliesslich braucht man dafür nicht mehr als einen Stuhl! Die kahle Büroatmosphäre scheint hingegen die grauen Zellen nicht besonders anzuregen, denn in dem sogenannten „kreativen Chaos“ sind denn auch kaum fertige Werke zu erkennen. Das Atelier ist demnach weder Denkfabrik noch ein Ort des handwerklichen Ausführens, was dann auch die Abwesenheit der Studierenden erklärt. Etwas schockiert hat mich die Tatsache, dass die Studenten ihr Arbeitsmaterial selber finanzieren müssen. Die Werke, die während des Studiums an der zHdK entstehen, müssen also so konzipiert werden, dass sie erstens nichts kosten und zweitens keinen Platz benötigen. Na dann, frohes Schaffen!!!!
Die einzelnen Büros sind noch nicht einmal nach den Kunstgattungen eingeteilt: d.h. Fotografen arbeiten neben bildenden Künstlern und die wiederum neben Performancekünstlern. Ich kriege deshalb auch die Assoziation mit einem Schweinestall, indem alle Tiere auf engstem Raum hineingepfercht werden, nicht mehr aus dem Kopf.
Die Arbeitsprozesse der Studierenden werden in regelmässig stattfindenden Werkbesprechungen mit den Dozierenden und interessierten Studierenden diskutiert. Der Studiengang wird nach 2, spätestens aber nach 3 Jahren, abgeschlossen, wonach das Atelier geleert werden muss und der Kampf um den besten Platz von vorne losgeht.
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