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15. November 2008 – 28. Februar 2009
Fabrik Raum 5, Lantal Textiles, Langenthal
Ich fuhr mit dem Auto auf einer betonierten Strasse, die sich durch grüne saftige Wiesen schlängelte. In der Ferne sah ich hohe graue Betongebäude, eine menschliche Festung, die inmitten einer natürlichen Landschaft emporragte. Die Natur wird sich ihr Territorium eines Tages wieder zurückerobern. Ich fuhr direkt darauf zu, stieg aus, ging die Stufen eines kahlen Treppenhauses hoch und trat ein, nicht in einen Maschinenraum, sondern in einen steril weissen, grosszügigen Kunstraum. An den Wänden hingen kleine Farbfotografien, die Details von Textilmaschinen und ihrer Umgebung, dem Websaal, in der Vergrösserung zeigten.
Die Schweizer Textilindustrie, die früher die bedeutendste war, verlor in den letzten Jahren stark an Einfluss. Die Fabriken wanderten immer mehr Richtung Osten ab; die Fabrikhallen standen leer und wurden entweder abgerissen oder umgenutzt. Dies geschah auch mit dem Fabrik Raum 5 in Langenthal: Wo früher Webmaschinen einen Ohren betäubenden rhythmischen Lärm verursacht haben, werden heute Fotografien der früheren Produktion in einem White Cube präsentiert. Wie Mahnmale erinnern die Portraits der Textilindustrie wehmütig an eine längst vergangene Zeit.
Die Aufnahmen der Grossbildkamera wurden nach dem Image Transfer Verfahren entwickelt. Dabei unterbricht der Fotograf den Entwicklungsvorgang nach wenigen Sekunden und überträgt den Film auf das Fotopapier. Das Endprodukt ist eine Fotografie, die in ihrem Entwicklungsprozess gestört wurde. Dies manifestiert sich in natürlichen Farben, deren Nuancen nicht beeinflusst werden können. Die Farbe läuft an den Rändern der Fotografie aus. Dieses Entwicklungsverfahren wird in Zukunft nicht mehr angewendet werden können, da die Produktion des Farbfilms Polaroid 809 im September 2008 eingestellt wurde. Die Fotografien d’Annas beerdigen das Zeitalter der Industrie gleich doppelt, indem sie als Grabstein den Untergang der Schweizer Textilindustrie einerseits und den Konkurs der Firma Polaroid andererseits markieren.
D’Anna thematisiert die Relation von Natur und Maschine, die seit den Anfängen der Industrialisierung zu einem beliebten Topos der Fotografie wurde. Im Gegensatz zu Alfred Stieglitz, der Natur und Maschine als gegeneinander konkurrierende Gegensätze verstand, präsentiert d’Anna menschliche Maschinen. Die Naturfarben und die samtige Oberfläche des grobkörnigen Aquarellpapiers bewirken eine naturalisierte Wahrnehmung der Textilmaschinen. Sie wirken nicht mehr wie der lebenden Natur entgegengesetzte bedrohliche Ungetüme, sondern wie vom Menschen erschaffene ihm dienende Werkzeuge. Die Maschinen werden sogar so programmiert, dass sie die Fähigkeiten ihres Schöpfers übertreffen. Die Kurzzeitbelichtung der Kamera enthüllt für das Auge unsichtbare Vorgänge.
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